
Lasker-Schüler beeinflusste durch ihre
Gedichte den literarischen Expressionismus, den sie im eigenen
Spätwerk überwand. Als Höhepunkt ihres lyrischen
Schaffens gelten die ekstatischen „Hebräischen
Balladen“ (1913). Ihr Gedichtband „Mein blaues
Klavier“ (1943) war ein leidenschaftliches Plädoyer
für Toleranz und Humanität. Ihr gesamtes Werk
durchziehen religiös-mythisierende Züge geprägt
von starker Sentimentalität und bisweilen schwermütiger
Ausdrucksweise.
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--------Dies
ist das Handout eines Schülervortrages
--------vom:
1. April (kein Scherz) 2003
--------gehalten
von: Marianne Jaffke
--------für
den Kurs: LK 13 Deutsch
--------Schule:
Schliemann-Gymnasium Schwerin
--------Tutorin:
Fr. Dr. Schreiber-Jonas
--------Anhänge/Quellen/Copyrights:
siehe unten
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Interessantes vorweg
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Else Lasker-Schüler
lebte in ihrer Dichtung. Sie schuf sich ihre eigene Phantasiewelt;
sie besang und malte oder zeichnete sich selbst als die Gestalten
ihrer Phantasie. Sie war der herrliche Prinz Jussuf aus dem ägyptischen
Theben oder Joseph aus dem alten Testament. Auch ihren Freunden
wies sie eigene Rollen in ihrer poetischen Welt zu. Ihre Gedicht
sind bald mit Bildern mancher expressionistischer Maler zu vergleichen.
Eine exotische Farbenpracht leuchtet aus ihren Metaphern. Blau ist
die Chiffre ihrer Sehnsucht, ihr Traum vom „siebenten Tag“
der Schöpfung, wie einer ihrer frühen Gedichtbände
hieß. In ihrem Werk schuf die Lasker-Schüler einen Gegenentwurf
zu ihren eigenen Lebensumständen und denen des damaligen Bürgertums.
Das Leben der jüdischen
Dichterin Else Lasker-Schüler bewegte sich zwischen den Extremen:
auf der einen Seite der Glanz der Boheme, auf der anderen äußerste
Armut, die Künstlerkollegen immer wieder zu Sammlungen für
sie veranlasste. Geprägt wurde ihr Leben auch durch zwei Weltkriege.
Else portraitiert von Yael-Sharar Sarid, 1991
Sie selbst hat um ihre Kindheit
einen ungeheuren Mythos gelegt, so dass man auch heute nicht genau
erkennen kann, wo die Wahrheit aufhört und die Dichtung beginnt.
So hat sie als Erwachsene nie ihr Geburtsdatum korrekt angegeben
und bis zur ihrem Tod ihr Alter um sieben Jahre reduziert.
Ihre heute definitiv als erdichtet erkannte, eigene Biographie,
sah so aus: Ihr Vater sei Architekt gewesen und habe kühne
Aussichtstürme rund um ihre Heimatstadt gebaut, so kühn,
dass die braven Bürger immer Angst hatten, die Türme könnten
bei Sturm zusammenbrechen. Den eigenen Großvater erhob Else
zum Großrabbiner
Ihre Familie zog zu Kindeszeiten in ein gut- bis großbürgerliche
Haus, wo Else eine behauste Jugend führte. Sie dichtete, von
ihrem Vaterhaus könnte man den Rhein sehen. – Kann man
aber nicht.
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Biographie
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| Geboren: 11. Februar 1869
als Tochter eines jüdischen Privatbankiers (Aaron Schüler)
und dessen Frau (Jeanette Kissing) in Elberfeld (heute: Stadtteil
von Wuppertal)
Sie gilt als Wunderkind der Familie,
da sie schon mit vier Jahren lesen und schreiben kann.
Schon früh beginnt sie, gegen die bürgerlichen Traditionen
zu rebellieren; allerdings nur in kleinem Maße. Sie kritisiert
bei Familientreffen die angelernten Eigenarten der Verwandten und
deren Konventionen; sie tut sich schwer mit dem Verlangen ihrer
Lehrer nach entsprechendem Gehorsam und „willenloser Disziplin“,
wie sie es nennt.
Nichts desto trotz genießt sie eine gute schulische Ausbildung,
lässt sich nicht hängen.
1880: Sie besucht kurzzeitig des Lyzeums West,
erkrankt aber an Veitstanz und beendet ihre Schulzeit. Sie bekommt
fortan Hauslehrer-erziehung.
1882: Am 2.
Februar stirbt ihr jüngster Bruder Paul, von dem man nur weiß,
dass er ein gutes Verhältnis zu Else hatte. Das die Zuneigung
beiderseits bestand, lässt sich interpretieren aus dem Fakt,
dass Else später ihren eigenen Sohn nach ihm benennt. Else
ist 13.
Elses Mutter ist, wie zu dieser Zeit noch immer üblich, Hausfrau.
Sie ist also immer anwesend und damit eine konstante in Elses jungem
Leben. Als sie 1890 stirbt, verkraftet Else den
Tod nur sehr schwer. Sie beschreibt ihre Beziehung zur Mutter in
zahlreichen Gedichten.
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Das Elternhaus

zirca 1889

zwischen 1885 und 1994
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Ich fühle mein nacktes Leben,
Es stößt mich ab vom Mutterland,
So nackt war nie mein Leben,
So in die Zeit gegeben....
[Totenlied „Mutter“]
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1894:
Nur vier Jahre später heiratet sie, am 15. Januar 1894, mit
25 Jahren, den Berliner Arzt Dr. Berthold Lasker, dem Bruder des
Schachweltmeisters Emanuel Lasker. Die Heirat bezeichnet Else später
als "Vernunftehe".
Sie zieht mit ihm nach Berlin, dem damaligen kulturellen Mittelpunkt
Deutschlands, wo sie sich ihrer zeichnerischen Ausbildung widmet.
Sie mietet ein Atelier im Berliner Tiergarten, das in erster Linie
Zuflucht vor dem Ehemann bietet, der sie arg unterdrückte.
Aber ihre Selbstübungen fruchten: Später versieht sie
zahlreiche Einzel- und Buchpublikationen mit eigenen Zeichnungen,
auch handkolorierten Illustrationen.
1897: Elses Vater stirbt am 3. März.
1899: Nach vier Ehejahren
lernt sie einen Mann kennen mit dem sie eine Affäre beginnt
und von welchem sie einen unehelichen Sohn (Paul) zur Welt bringt.
Den Namen ihres Geliebten gibt sie nie bekannt, sie nennt ihn allerdings
den Griechen Alkibiades de Rouan. In manchen ihrer Aufzeichnungen
ist er dann aber auch ein spanischer Prinz - dem sie auf der Straße
begegnet sei...
Sie veröffentlicht erste Gedichte in der Zeitschrift "Die
Gesellschaft" und hält im Kreis "Die Kommenden"
und in der "Neuen Gemeinschaft" Lesungen und knüpft
Künstlerfreundschaften, u. a. trifft sie auf ihr Vorbild Peter
Hille [mehr zur Person siehe Anhang].
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Else Lasker-Schüler
auf dem Brautfoto |
1902:
Ihr erster Gedichtband „Styx“ erscheint (geprägt
vom Impressionismus & Jugendstil ). In 62 Gedichten feiert sie
euphorisch die Freude am Leben, setzt sich aber auch mit dem Thema
des Verlorenseins auseinander.
Befreundet ist sie nun besonders mit
dem Schriftsteller Peter Hille [mehr zur Person siehe Anhang],
mit Richard Dehmel, mit Franz Marc [mehr zur Person siehe Anhang].
Marc gründete zusammen mit Wassily Kandinsky den „Blauen
Reiter“ um einem neuen künstlerischen Wollen zum Durchbruch
zu verhelfen. In zahlreichen Texten versuchte er, eine Theorie dieser
neuen Kunstauffassung zu entwickeln.
Die Ehe mit Lasker zerbricht, wird
allerdings erst 1903 geschieden (Berthold Lasker stirbt 1927 an
Tuberkulose).
1903: Nach der Scheidung
von Lasker gerät Else in materielle Bedrängnis. Sie lebt
mit ihrem Sohn Paul in Armut – im Kellergelass eines Portiers.
Nach dieser Zeit lernt sie den Dichter Peter Hille [mehr zur Person
siehe Anhang] besser und intensiver kennen,
der an materiellen Gütern ebenso arm ist wie sie selbst. Doch
durch die Freundschaft mit ihm findet sie Anschluss an die literarische
Szene.
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Datum unbekannt |
Dadurch erreicht sie Hilfe
und Unterkunft in der Künstlerkolonie "Neue Gemeinschaft".
Dort lernt sie ihren zweiten Mann kennen, den Kunstschriftsteller
und Musiker Georg Lewin, den sie in Herwarth Walden umtauft. Ihn
heiratet sie direkt nach der Scheidung von ihrem ersten Mann 1903.
Doch schon 1912 erfolgt die Scheidung, da Walden sie
betrügt.
Herwarth Walden (1878-1941) nimmt den Namen an und veröffentlicht
mit ihm seine Werke, wird mit dem Namen sogar später Herausgeber
der expressionistischen Zeitschrift "Der Sturm".
Sie leben, wie man so sagt,
von der Hand in den Mund. Sie hausen in Hotelzimmern, in Berlin
zumeist im Hotel Koschel (Sachsenhof), Motzstraße am Nollendorfplatz
und ärmlichen Dachstuben.
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Else ca. 1903 |
1906:
Peter Hille stirbt [mehr zur Person siehe Anhang].
Else reflektiert ihren gemeinsamen Weg in ihrem ersten Prosawerk
„Das Peter-Hille-Buch“. Damit beginnt sie ihre Selbstmythisierung,
die fortan ihr Leben und Werk bestimmt.
1907: In der Prosasammlung
„Die Nächte der Tino von Bagdad“ versammelt sie
orientalische Geschichten.
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| 1909:
...schreibt sie, wie sie behauptet, in einer einzigen Nacht das
Schauspiel "Die Wupper" [Bild anklicken]. Dort schildert
sie ihre Kindheitserlebnisse, die Welt in Wuppertal, ein bunter,
beklemmender Bilderbogen.
1911: In dem Gedichtband
„Meine Wunder“ wird die Liebe zum zentralen Thema von
Lasker-Schüler. Sie wird zur führenden Repräsentantin
des Expressionismus.
1912: Die Scheidung
von Herwarth Walden erfolgt. |
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Danach
erscheint der Briefroman „Mein Herz“ [Bild anklicken],
in dem sie die zeitgenössische Berliner Bohème schildert.
- Völlig mittellos, ist sie fortan auf Zuwendungen durch Freunde
angewiesen.
Völlig mittellos, ist sie fortan
auf Zuwendungen durch Freunde angewiesen. Insbesondere der Wiener
Publizist Karl Kraus [mehr zur Person siehe Anhang]
unterstützt Lasker-Schüler.
Sie findet aber nie wieder eine richtige Wohnung, lebt bis zu ihrem
Tod in gemieteten Zimmern.
Sie ist jetzt 43 Jahre alt.
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1913:
Während ihrer Reise nach Russland 1913 besucht sie ihren Geliebten,
den Anarchisten Senna Hoy (Johannes Holzmann) [mehr zur Person siehe
Anhang], im Gefängnis und bemüht
sich um dessen Freilassung. Ihre Versuche schlagen jedoch fehl.
Senna Hoy [mehr zur Person siehe Anhang]
hatte einst zusammen mit Else Lasker-Schüler Beiträge
zu einem Lyrik-Heft der Wochenschrift "Die Aktion" geschrieben.
Es war ein Andenken an im ersten Weltkrieg getötete Dichter.
In späteren Drucken veröffentlichte Else einen sogenannten
'erläuternden' Prosatext zur Person Senna Hoy:
"Senna Hoy ging vor zehn Jahren nach Russland. Er war damals
zwanzig Jahre alt. Während der Revolution wurde er in einem
Garten gefangen genommen, ganz grundlos, wie damals solche Verhaftungen
nach Gutdünken der Polizei stattfanden. Auf dem Termin wurden
Zeugen, die Senna Hoy angab, nicht zugelassen und er kam vom Rathaus
in die Warschauer Festung. Aber bald wurde er in das entsetzliche
Gefängnis (Katorga) nach Moskau gebracht, wo er, da er sich
stets gegen die Misshandlungen der Mitgefangenen einsetzte, selbst
fast zu Tode gepeinigt wurde. Durch die Hilfe des Leibarztes des
Zaren gelang es, Senna Hoy, nachdem er sieben Jahre im Kerker zu
Moskau geschmachtet und zweimal versucht hatte, sich das Leben zu
nehmen, in die Gefangenenabteilung des Krankenhauses nach Metscherskoje,
fünf Stunden über die Ebene von Moskau entfernt, zu bringen,
wo er, der schönste, blühendste Jüngling, der auszog,
für die Befreiung gepeinigter Menschen zu kämpfen, selbst
erlag zwischen todkranken, irrsinnigen Gefangenen."
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„Seit du begraben liegst auf dem Hügel,
Ist die Erde süß“ |
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In Berlin
ist sie mittlerweile eine stadtbekannte Erscheinung. Anhänger
versammeln sich um sie, wann immer sie sich in öffentlichen
Einrichtungen sehen lässt. So lernt sie auch weitere richtungsgebende
Menschen des Expressionismus kennen wie Georg Trakl [mehr zur Person
siehe Anhang], der ihr eines seiner schönsten
Gedichte widmete.
Allen ihren Freunden gibt Lasker-Schüler mittlerweile phantasievolle
Namen. So wird aus Franz Marc [mehr zur Person siehe Anhang]
der Blaue Reiter Ruben und aus Karl Kraus [mehr zur Person
siehe Anhang], dem Herausgeber der Zeitschrift
"Fackel", der Dalai Lama. Sie selbst baut sich
ein Fabelreich auf, in dem sie als Tino von Bagdad, als
Jussuf, Prinz von Theben, lebt und dichtet.
Lasker-Schüler hält auch Lesungen in Berlin und unternimmt
Vortragsreisen nach Wien, München, Prag, Köln und Zürich.
Anhänger bezeichnen Lasker-Schüler als exzentrisch, Gehässige
nennen sie schlicht verrückt. Wenn ihr Leute bei einer Vorlesung
nicht gefallen, wirft sie sie hinaus, klug daherredende Menschen
unterbricht sie mit dem Satz: "Sie sind mir zu intelligent."
– Und verschwindet.
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Am 27. April 1919
wird ihr Stück „Die Wupper“ [hier],
wie erwähnt, im Deutschen Theater Berlin uraufgeführt.
Sie veröffentlicht in
diesem Jahr außerdem die Gedichtsammlung „Hebräische
Balladen“ [Bild anklicken] und versucht sich damit an der
Neuerschaffung eines hebräischen Mythos.
1914: Da sie sich schon seit mehreren Jahren
selbst als „Prinz von Theben“ [Bild anklicken] bezeichnete,
hat ihr neuester Gedichtband diesen Titel.
Der unkonventioneller Lebensstil des
weiblichen Prinzen von Theben in Berlin wird kritisiert und parodiert.
So spaziert sie z.B. als Prinz verkleidet durch hauptstädtische
Straßen.
Ihr späterer Freund Gottfried
Benn [mehr zur Person siehe Anhang] erzählte
nach ihrem Tode:
"Man konnte weder damals noch später mit ihr über
die Straße gehen, ohne dass alle Welt stillstand und ihr nachsah:
extravagante weite Röcke oder Hosen, unmögliche Obergewänder,
Hals und Arme behängt mit auffallendem, unechtem Schmuck, Ketten,
Ohrringen, Talmiringe an den Fingern, und da sie sich unaufhörlich
die Haarsträhnen aus der Stirn strich, waren diese, man muss
schon sagen: Dienstmädchenringe, immer in aller Blickpunkt." |

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1917:
Die „Gesammelten Gedichte“ werden veröffentlicht.
1919: In der Kaisergeschichte
„Der Malik“ [hier]
verarbeitet Lasker-Schüler den Verlust enger Freunde, wie den
von Franz Marc (gefallen) [mehr zur Person siehe Anhang],
durch den Ersten Weltkrieg.
1920: Die erste Gesamtausgabe
von Lasker-Schüler erscheint in zehn Bänden
1924: Reise in die
Schweiz und nach Venedig
1925: In ihrer Schrift "Ich räume auf!
Meine Anklage gegen meine Verleger" kritisiert sie den zeitgenössischen
Literaturbetrieb. – Und nimmt sich selbst beim Wort: Sie verklagt
ihre Verleger daraufhin tatsächlich.
Nach der Klage, in der sie die Verleger als Ausbeuter der Schriftsteller
bezeichnet, werden jahrelang keine Bücher mehr von ihr veröffentlicht.
Ihr geht es finanziell so schlecht, dass sie nicht mal mehr die
Miete für ein Zimmer aufbringen kann. Aus dieser Situation
rettet sie Karl Kraus [mehr zur Person siehe Anhang],
der zu einer Spendenaktion aufruft, um sie zu unterstützen.
Bei dieser Aktion kommen mehrere tausend Reichsmark zusammen.
1927: Lasker-Schülers Sohn Paul stirbt im
Alter von 28 Jahren an Schwindsucht. Von seinem Tod tief getroffen,
zieht sich Lasker-Schüler zunehmend aus dem öffentlichen
Leben zurück. |

circa 1914
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Am Grab
ihres Sohnes lernt sie den 26 jährigen Gottfried Benn [mehr
zur Person siehe Anhang] kennen, welcher
sich sofort in die 17 Jahre ältere Dichterin verliebt. Die
Leidenschaft erlischt auf seiner Seite allerdings genauso schnell
wie sie entflammte. Lasker-Schüler dagegen beweist ihre Liebe
zu ihm in 17 veröffentlichten Gedichten.
"Ich habe in deinem Antlitz
Meinen Sternenhimmel aus-
geträumt.
Alle meine bunten Kosenamen
Gab ich dir,
Und legte die Hand
Unter deinen Schritt,
Als ob ich dafür
Ins Jenseits käme.
O du falscher Gaukler,
Du spanntest ein loses Seil.
Wie kalt nur alle Grüße sind,
Mein Herz liegt bloß,
Mein rot Fahrzeug
Pocht grausig.
Bin immer auf See
Und lande nicht mehr.
Ich bin dein Wegrand.
Die dich streift,
Stürzt ab."
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Gottfried Benn [mehr zur Person siehe
Anhang] antwortet ihr ebenfalls in Gedichtform:
"Keiner wird mein Wegrand sein,
Laß deine Blüten nur verblühn
Mein Weg flutet und geht allein.
Zwei Hände sind eine zu kleine
Schale
Ein Herz ist ein zu kleiner Hügel,
Um daran zu ruhen."
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In dieser Zeit vereinsamt sie völlig.
Ein Zimmermann, der in den zwanziger Jahren für das Berliner
Hotel "Sachsenhof" arbeitete, in welchem Lasker-Schüler
lange Zeit wohnte, erzählt:
"Wenn sie keinen Liebhaber fand, zertrümmerte
sie am Abend regelmäßig die Holzbalustrade in ihrem Hotelzimmer.
Ich musste dann kommen und sie ausbessern. Sie ließ mich nicht
eher gehen, bis ich ihr Frühstück gegessen und sie mir
dabei ihre Gedichte vorgetragen hatte."
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Elses Zeichnung
von ihr und Gottfried Benn;
küssend


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1932:
Einer der wichtigsten Literaturpreise Deutschlands, der
Kleist-Preis, wird Else Lasker-Schüler verliehen. Die nationalsozialistische
Presse empört sich über die Verleihung an eine Jüdin.
Der "Völkische Beobachter" titelt: "Die Tochter
eines Beduinenscheichs erhält den Kleistpreis!" In Deutschland
hat der Antisemitismus die Oberhand gewonnen.
1933: Bei Machtergreifung der Nazis muss Else mit
64 Jahren aufgrund ihrer jüdischen Herkunft Deutschland verlassen.
Zuvor wird ihr Stück "Arthur Aronymus und seine Väter"
[hier]
wird im Berliner Schillertheater noch vor der Generalprobe abgesetzt.
Es handelt hellsichtig von der Jugendverfolgung:
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"Unsere Töchter wird man verbrennen auf Scheiterhaufen.
Nach mittelalterlichem Vorbild! Der Hexenglaube ist auferstanden.
Aus dem Schutt der Jahrhunderte. Die Flamme wird unsere unschuldigen
jüdischen Schwestern verzehren... ."
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Kurz vor ihrer Flucht wird Lasker-Schüler
von SA-Männern auf offener Straße mit einer Eisenstange
niedergeschlagen. Danach emigriert sie sofort in die Schweiz (sie
steht blutend auf, rennt zum Bahnhof und fährt einfach, ohne
Gepäck, Papiere, Geld).
Sie sucht in Zürich Zuflucht. Dort wird sie wegen Landstreicherei
festgenommen, weil sie die Nacht auf einer Parkbank verbringt. So
erfährt die Schweizer Öffentlichkeit von der Dichterin.
Sie erhält fortan Unterstützung vom Jüdischen Kulturbund.
Lasker-Schülers Bücher werden in Deutschland verbrannt,
in der Schweiz allerdings wird ihr Stück "Arthur Aronymus
und seine Väter" [hier]
uraufgeführt.
Auch nach ihrer Flucht aus Deutschland hat Else mit entsprechenden
Schwierigkeiten zu kämpfen, wie das untere Dokument bezeugt.
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ca. 1932 |
Polizeiwesen
der Stadt Zürich - Fremdenpolizei
Fremdenpolizeiliche Weisung. (Aufnahme der Erwerbstätigkeit.)
[...]
„Ich nehme davon Kenntnis, daß mir, trotz Einreichung
eines Gesuches um Bewilligung der Erwerbstätigkeit als
Dichterin diese Erwerbstätigkeit bis auf weiteres verboten
bleiben.
Es ist mir eröffnet worden, daß ich im Falle der
Zuwiderhandlung gegen diese Weisung Bestrafung nach Art. 22
der bundesrätlichen Verordnung über die Kontrolle
der Ausländer vom 29. November 1921 (Wer den Vorschriften
dieser Verordnung oder den besonderen Weisungen der Fremdenpolizeibehörde
zuwiderhandelt, wird mit Buße bis 2000 Fr., bei Wiederholung
nicht unter 50 Fr. bestraft) und administrative Maßregelung
(Weg- und Ausweisung) zu gewärtigen habe; weiterhin ist
mir ein gleichlautendes Doppel des Protokolls ausgehändigt
worden.
Zürich, den 15. November 1933
Else Lasker-Schüler“
[...] |
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Else hat Heimweh.
Sie schreibt später über Zürich:
"Ich war hier voll Traurigkeit, wirklich voll Schmerz.
Wie schön und unbekümmert war's doch in Elberfeld
vor 1001 Jahren."
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Heinz Gerling, ein Zeitzeuge, berichtet noch 1994
darüber:
"Natürlich hat sie Hitler und das Hitlerregime gehasst.
Deutschland und ihre Heimat aber hat sie geliebt. An einem
Tage, als ich nicht im Büro war und zurückkam, war
sie da gewesen und hatte mir einen Zettel dagelassen: 'Ich
möchte nicht, daß Wuppertal bombardiert wird.’"
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Dieser Zettel liegt noch heute in ihrem Nachlass.
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Sie reist
dreimal nach Palästina. 1934, 1937 und 1939.
Nach dem dritten und letzten Mal, aufgrund des Kriegsausbruches,
verweigert die Schweiz der Dichterin ein Wiedereinreisevisum.
In Jerusalem wird sie finanziell von dem Verleger Salmon Schocken
und der Jewish Agency unterstützt. Ein guter Lebensstandard
ist ihr damit gesichert.
Ein Kind wird ihr liebster Mensch in ihren letzten Lebensjahren.
Sie ist die Tochter der Hauswirtin, heißt Mira Bein, ist die
einzige Person, die Else in ihrer Räumen besuchen darf.
Else veröffentlicht während des Krieges weiter in Exilblättern
und regulären Schweizer Zeitschriften.
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ca. 1937
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1937:
In dem Prosaband „Das Hebräerland“ [ hier]
verklärt sie das Erlebnis Palästina zum Traum vom Heiligen
Land.
1940/41: Sie schreibt die Tragödie
„IchundIch“ [hier]
(erst 1979 uraufgeführt), in der sie sich zum ersten Mal in
ihrem Werk auf das politische Geschehen der Zeit bezieht. Es ist
eine Autobiographie in Form einer theatralischen Tragödie,
deren Figuren Abspaltungen ihres Ichs sind.
Mit Hilfe von Gönnern ist es ihr möglich,
den Veranstaltungsring „Der Kraal“ zu gründen,
der zum Zentrum ihrer Lesungen und Vorträge wird.
1943: Ihr letzter Gedichtband
„Mein blaues Klavier“ [hier]
erscheint in Jerusalem.
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Die
letzten Jahre in Jerusalem:
Else Lasker-Schülers letzte Jahre waren sicherlich schwierig.
Aber dieses lag wohl weniger an den ihr zur Verfügung stehenden
finanziellen Mitteln, als vielmehr an ihrem Unvermögen mit
Geld umzugehen. Keinesfalls starb sie - wie oft behauptet - in völliger
Armut. Sie erhielt Mittel aus dem Solidaritätswerk der Einwanderer
aus Mitteleuropa und – wie angeführt – von dem
reichen Kaufmann und Kunstmäzen Salman Schocken. Diese Mittel
hätten einfachen israelischen Bürgern ausgereicht um viele
Jahre davon zu leben.
Else also keinen Bezug zum Geld. Sie kaufte Dinge, die ihr momentan
wichtig erschienen – ohne zu überlegen, wovon sie am
nächsten Tag leben würde. So beschenkte sie Kinder und
Bettler, speiste in guten Restaurants und verfütterte teuer
erworbene Lebensmittel an die wildlebenden Vögel. Dabei war
ihr Vorratsschrank leer. Sie besaß nicht einmal ein Bett,
schlief in einem Liegestuhl, ihre Koffer packte sie nicht aus. Sie
wurde wieder einmal nicht richtig sesshaft – sie gehörte
einfach nicht dazu und wollte es wohl auch nicht.
Inzwischen war sie alt und grau geworden, ging nur noch gebückt.
Doch sie pflegte weiterhin ihr exzentrisches Auftreten - ihre Liebe
zu Tüchern, Federn und Tand. Dieses alles, und wohl auch eine
Neigung zur Unsauberkeit, erregten natürlich Aufsehen und Gespött.
Man hielt sie in ihrer Nachbarschaft einfach für verrückt.
Auch im Alter hielt sie sich an keine gesellschaftlichen Konventionen.
An Yom Kippur, wo die jüdische Welt streng fastet, verzehrte
sie in der Synagoge seelig ihre Schokolade. Personen, die sie daraufhin
ansprachen, entgegnete sie grob: "Stören sie meine
Andacht nicht!".
Ihren Rabbiner nannte sie 'unseren Pastor', eine Zumutung für
jeden gläubigen Juden. Ein anderes Mal ging sie zu ihrem Rabbiner
und fragte ihn: "Hier sind wir ja unter uns, glauben Sie
an Gott?".
Sie war oft grob und böse, auch gegenüber ihr wohlgesonnten
Personen. Ungewöhnliche Auftritte entschuldigte man aber mit
ihrem Alter, dabei gestand sie Bekannten nachher: "Das
habe ich mit Absicht gemacht."
Der Liebe entsagte sie selbst im hohen Alter nicht. So verliebte
sie sich in einen um viele Jahre jüngeren und verheirateten
Mann. Sie schrieb ihm glühende Liebesbriefe, und oft wartete
sie stundenlang vor seinem Haus – alles nur, um einen kurzen
Blick auf ihren Angebeteten zu werfen.
Doch sie wurde immer schwächer und kränklicher. Erste
Todesahnungen befielen sie:
"Mit mir geht es zu Ende,
ich kann nicht mehr lieben" |
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| Am
22.01.1945 stirbt Else Lasker-Schüler, der Prinz Jussuf,
und mit ihr das Königreich von Theben. Sie litt an Schwindsucht,
hatte ihr Herz über die Lebensjahre hinweg stark strapaziert,
so dass es nun einem eher leichten Infarkt nicht standhielt. Man
setzte sie auf dem Ölberg Jerusalems bei.
Auch Else Lasker-Schülers Ruhm erreichte den
Zenit erst nach ihrem Tod. In ihrer Zeit galt sie eben als schwierig,
extravagant und zu leidenschaftlich. Sie schilderte die Lust der
Frau, Körperlichkeit und außereheliches Verlangen –
und dies zu einer Zeit, in der Frauen zu Kinder, Küche und
Kirche erzogen wurden.
Ihr letzter Gedichtband, der die Entbehrungen des
Exils spiegelt, hieß also: „Mein blaues Klavier“
[hier]
(1943). Das blaue Klavier des Titelgedichts ist das schmerzliche
Symbol für Verlust und Zerstörung. Die Hoffnung (blau)
ist nur noch Erinnerung an ein zerstörtes Zuhause (Klavier).
Das Klavier steht nicht mehr im Salon, niemand kann es spielen;
die Barbarei (Ratten) hat okkupiert. Das Gedicht endet als Gebet.
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Elses Totenmaske |
Ich habe zu Hause ein blaues Klavier
Und kenne doch keine Note.
Es steht im Dunkel der Kellertür,
Seitdem die Welt verrohte.
Es spielten Sternenhände
vier
- Die Mondfrau sang im Boote -
Nun tanzen die Ratten im Geklirr.
Zerbrochen ist die Klaviertür.....
Ich beweine die blaue Tote.
Ach liebe Engel öffnet
mir
- Ich aß vom bitteren Brote -
Mir lebend schon die Himmelstür -
Auch wider dem Verbote.
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(C)
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auf die besagten Quellen. Ich bin keine Fachwissende; diese Übersicht
wurde für einen Schul-Vortrag angefertigt. Dementsprechend
konzentriert sich der Inhalt statt auf Richtigkeit und Vollständigkeit
eher auf Bildlichkeit und die Fähigkeit, eine Unterrichtsstunde
zu füllen. Außerdem gefallen der Autorin dieses letzten
Textes (again, myself) Vokabeln, die auf "keit" enden.
Gegen eine Weiterverwendung dieses Internetangebots
habe ich, Marianne Jaffke, unter Beachtung der
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Es wäre dennoch nett, wenn ihr mir mailt, wo ihr es weiterverwendet
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Ich will mit dem Kram hier niemanden Schaden
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ich mich ausdrücklich. In solchen Fällen nehme ich die
schädigenden Komponenten offline. Meckert also ggf..
Diese meine Seiten sind nicht kommerzieller
Natur. Sie folgenden einzig dem Motto: Wissen für alle.
Besonderer Dank:
- Frau Dr. Schreiber-Jonas, für die grauenhafte Aufgabe,
dieses Zeugs hier zu erstellen (kein Sarkasmus, das meine ich
Ernst)
- Bruno Bluch, für's Korrekturlesen
- Ralf Stockfisch, für einen Tipp in anderer Angelegenheit,
was positive Auswirkungen auf meinen Terminkalender hatte und
mir mehr Zeit verschaffte
- die Eheleute Brigitte und Prof. Schorsch Schmoll, für die
Hilfe in der Peter-Hille-Sache
- Karl Urban, für das DREAMWEAVER-Training
- Dt.-Leistungskurs, für das geduldige Zuhören (ich
bin nicht so gut im Vortragen, wie in Text/Bild-Verarbeitung)
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