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| POETISCHE FREUNDSCHAFTEN - Eine Liste
In der Zeit der poetischen Freundschaften, der Zeit der Berliner
Cafés, entwickelte Else Lasker-Schüler, wie erwähnt,
die Gestalt des Jussuf, des Prinzen von Theben. Dieser Gestalt ihrer
Phantasie passte sie selbst ihre eigene Identität an. Sie ließ
sich ihre Haare kurz schneiden, für die damalige Zeit eine
Sensation, trug weite Hosen orientalischen Zuschnitts, dazu klimpernde
Ketten und Armreife, sowie Fußglocken. Auf der Straße
blieben die Leute stehen, um dieser schillernden Person nachzusehen
und nachzutuscheln.
Auch ihre Freunde nahm sie in diese Welt auf. Sie entwickelte ein
Reich mit fließenden Grenzen, ein Reich ihrer Träume.
Hier hielt sie Hof, hier ernannte sie Fürsten und Hohepriester,
schlug Freunde zu Rittern und kämpfte ihren eigenen Kampf und
den für in Not geratene Freunde.
Ihr Königreich von Theben umfasste...
- Prinz Jussuf = Else Lasker-Schüler
- Ruben oder der blaue Reiter = Franz Marc, der
expressionistische Maler, einer ihrer besten Freunde
- Dalai Lama oder Cardinal = Karl Kraus (Schriftsteller)
- Prinz von Prag = Franz Werfel (Dichter)
- Prinz von Moskau oder Senna Hoy = Johannes
Holzmann (Verleger/Anarchist, den Elsa 1913 vergeblich in Moskau
aus den Gefängnis frei zu bekommen versucht hatte. Er starb
im April 1914)
- Venus von Siam = Kete Parsenow (Schauspielerin,
Elses langjährige Freundin)
- Prinz Tristan = Hans Ehrenbaum Degele (Dichter)
- Sankt Peter = Peter Hille (ihr Mentor und Dichterfreund,
half Else ein Persönlichkeitsbild von sich zu entwickeln,
das sich über das Faktische erhob)
- Herwarth Walden = Georg Levin (Komponist, Schriftsteller...
heiratete 1903 die neun Jahre jüngere Else)
- Troubador oder Riese = Oskar Kokoschka (Maler)
- Schwarze Leopardin = Tilla Durieux (Schauspielerin)
- Gieselheer, der Barbar, der Heide = Gottfried
Benn (1886-1956), ihr Geliebter (Arzt, Lyriker, Essayist)
- Ritter aus Gold = Georg Trakl (Dichter)
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Gottfried Benn sagte
über Else: „Dies war die größte Lyrikerin, die
Deutschland je hatte [...] Ihre Themen waren jüdisch; ihre Phantasie
orientalisch, aber ihre Sprache war deutsch, ein üppiges, prunkvolles,
zartes Deutsch, eine Sprache reif und süß, in jeder Wendung
dem Kern des Schöpferischen entsprossen. Immer unbeirrbar sie
selbst, fantastisch sich selbst verschworen, feindlich allem Satten,
Sicheren, Netten, vermochte sie in dieser Sprache ihre leidenschaftlichen
Gefühle auszudrücken, ohne das Geheimnisvolle zu entschleiern
und zu vergeben, das ihr Wesen war.“
Gottfried Benn (*1886, +1956), Lyriker, Essayist: Die dichterisch
stärkste Kraft unter den deutschen Expressionisten. Die erste
Sammlung seiner Lyrik erschien schon 1917 mit dem bezeichnenden Gedicht
„Mann und Frau gehen durch die Krebsbaracke“. Benn war
auch Verfasser bedeutender Prosastücke. |

| Gottfried Benn
(1886-1956), Arzt, Lyriker, Essayist |
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Peter Hille nannte Else
Lasker-Schüler: „Der schwarze Schwan Israels“. Peter
Hille war Dichter und Aphoristiker, „ein charmanter Ketzer“
(Zitat Else).
Er war der Sohn eines Rentmeisters und Lehrers. Von 1817 - 1874 besuchte
er das Warburger Progymnasium, danach das Gymnasium in Münster,
wo er Mitglied der geheimen Schülerverbindung "Satrebil"
wurde. Die Gruppe las Marx, Bebel, Darwin, auch Hamann, Proudhon,
Gutzkow und Ludwig Büchner. 1874 musste Hille das Gymnasium wegen
ungenügender Leistungen verlassen, arbeitete als Protokollschreiber
beim Staatsanwalt in Höxter und als Korrektor in einer Leipziger
Druckerei. 1877 schrieb er an der Zeitschrift "Deutsche Dichtung"
mit, die von den Brüdern Hart gegründet wurde. Hier erschienen
seine ersten Gedichte. Für die "Deutschen Monatsblätter"
schrieb er literaturwissenschaftliche Beiträge. Eine Zeitlang
arbeitete er in Bremen an der sozialdemokratischen Zeitung "Bremer
Tageblatt". 1880 lebte er in den Londoner Elendsvierteln, lernte
Sozialisten und Anarchisten kennen. 1884 finanzierte er mit seiner
Erbschaft eine holländische Schauspielertruppe, die ihn mit in
den Ruin riss. Er lebte zeitweilig als Obdachloser, spielte jedoch
trotzdem eine wichtige Rolle in der naturalistischen Bewegung. 1886
schrieb er den Roman "Die Sozialisten". 1888 kam seine Tuberkulose
zum Ausbruch; Karl Henckell rettete ihn vor dem Verhungern und nahm
ihn mit nach Zürich. Doch bald war Hille wieder unterwegs, diesmal
nach Südeuropa. 1891 suchte er Zuflucht bei seinem Freund Julius
Hart. Die Polizei verfolgte ihn als angeblichen Sozialdemokraten,
er flüchtete durch ganz Deutschland, bis er 1895 nach Berlin
zurückkehrte. Die naturalistischen Schriftsteller sorgten für
ihn. Die Neue Gemeinschaft bestritt seinen Lebensunterhalt. 1902 eröffnete
er ein Kabarett. Bald darauf erlag er der Tuberkulose. |
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| Senna Hoy: Der anarchistische
Schriftsteller Johannes Holzmann (1882-1914), dessen Vornamen Else
Lasker-Schüler zu „Senna Hoy“ umdrehte, entstammte
einer bürgerlichen jüdischen Familie. In den Jahren 1904/5
hatte er die politisch-literarische Zeitschrift „Kampf“
herausgegeben, in der von Else Lasker-Schüler die beiden Gedichte
„Weltende“ (13. Februar 1904) und „Vollmond“
(24. März 1905) sowie die beiden Prosabeiträge „Emmy
Destinn“ (5. März 1904) und „Der tote Knabe“
(7. Mai 1904) erschienen sind. 1907 war Holzmann in Russland wegen
der Beteiligung an revolutionären Unruhen inhaftiert und zu fünfzehn
Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden. 1913 hatte Else Lasker-Schüler
sich in Russland aufgehalten und sich vergeblich um Holzmanns Freilassung
bemüht. Holzmann war am 28. April 1914 in einem Gefängniskrankenhaus
in der Nähe von Moskau gestorben und am 11. Mai 1914 –
in Anwesenheit Else Lasker-Schülers – auf dem Jüdischen
Friedhof Berlin-Weißensee beerdigt worden. In den „Gesammelten
Gedichten“, die in erster Auflage 1917 erschienen, und in den
„Hebräischen Balladen“ von 1920 widmete Else Lasker-Schüler
Holzmann den Gedichtzyklus „Meinem so geliebten Spielgefährten
/ Senna Hoy“. [mehr] |
Johannes
Holzmann
(1882-1914) |
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Klabund (1913):
„Fabelhaft gefärbt sind alle ihre Gedanken und schleichen
wie bunte Tiere. Zuweilen treten sie aus dem Wald in die Lichtung:
wie zarte rote Rehe.
Sie äsen ruhig und heben verwundert ihre Hälse, wenn jemand
durchs Dickicht bricht. Sie laufen nie davon.
Sie geben sich ganz Preis ihrer Körperlichkeit. Else Lasker-Schüler
trägt ihr Herz an einer goldenen Kette um den Hals. Sie ist ohne
Scham: jeder darf es betrachten ...“ |
| Klabund alias
Alfred Henschke (1890-1928), war ein expressionistischer
Schriftsteller. |
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Karl Kraus nannte Else
„die stärkste und unwegsamste lyrische Erscheinung des
modernen Deutschland.“
Geboren 1874. Stammt aus einer reichen, nach Wien eingewanderten Familie.
Der Vater war Großkaufmann und Papierfabrikant. Während
des später abgebrochenen Studiums (zunächst der Rechte,
dann der Philosophie und Literatur) begann Kraus mit journalistischen
Arbeiten. Da seine satirischen Angriffe oft nicht abgedruckt wurden,
gründete er selbst 1899 eine eigene Zeitschrift, „Die Fackel“,
deren Beiträge er ab 1912 alle selbst verfasste. Sie erschien
bis zu seinem Tode. Sein Antikriegsstück „Die letzten Tage
der Menschheit“ kam 1918/19 in Sonderheften der „Fackel“
heraus. Die meisten seiner Bücher enthalten Beiträge, die
vorher in der „Fackel“ erschienen waren. Neben den Lyrikbänden
„Worte in Versen“ und den Aphorismen sind vor allem Essays
zu nennen. In der früheren Essaysammlung „Sittlichkeit
und Kriminalität“ verteidigt er das Privatleben gegen die
öffentliche Neugier, in den wichtigsten weiteren Sammlungen setzt
er sich grundsätzlich mit der journalistischen Sprache auseinander.
Erst nach seinem Tod 1936 erschien die Schrift „Die Walpurgisnacht“,
in der er die ersten Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft
kommentiert. |
| Karl Kraus:
Er setzt sich für das Privatleben gegen die
öffentliche Neugier ein und nimmt die journalistische
Sprache auseinander |
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Franz Marc: „Else
Lasker-Schülers Kunst ist sehr verwandt mit der ihres Freundes,
des blauen Reiters.“
Geboren am 8. Februar 1880 in München als Sohn eines Malers.
Mit vierzehn beschließt er Pfarrer zu werden, vier Jahre später
entschließt er sich jedoch dazu, Philologie zu studieren, um
Gymnasialprofessor zu werden. 1899 trägt er sich zum Studium
an der Philosophischen Fakultät in München ein. Marc bezieht
1904 ein Atelier in Schwabing. Er versucht vergeblich seine melancholischen
Stimmungen und künstlerische Selbstzweifel mit einer Reise nach
Griechenland abzuschütteln. Seine schlechte finanzielle Lage
versuchte er mit Zeichnungen über Tieranatomie zu verbessern.
1909 kauften die beiden wichtigen Kunsthändler Thannhauser und
Brakl Arbeiten von ihm, ein Jahr später ermöglicht ihm Brakl
eine Einzelausstellung in einer Galerie. Am 18. Dezember 1911 wird
die erste Ausstellung des „Blauen Reiters“ eröffnet.
1914 meldet sich Marc zu Beginn des Ersten Weltkriegs als Freiwilliger,
am 14. März 1916 trifft ihn bei einem Kundschaftsgang in der
Nähe von Verdun ein tödlicher Granatdoppelschuss. |
| Franz Marc:
dt. Maler und Grafiker |
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Georg Trakl wurde am
3.2.1887 als Sohn eines Eisenhändlers in Salzburg geboren. Während
seines Pharmaziestudiums in Wien begann er Gedichte zu publizieren
und schloss 1910 die akademische Ausbildung ab; anschließend
lebte er in Innsbruck. Im ersten Weltkrieg diente Trakl als Sanitätsfähnrich.
Zerbrochen am Leiden seiner Zeit, wählte er am 3. November 1914
im Lazarett von Krakau den Freitod durch eine Überdosis Kokain.
Trakl gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des österreichischen
Expressionismus. Sein Gesamtwerk ist geprägt von Schwermut, Trauer
und der Suche nach Gott. Tod, Verfall und der Untergang des Abendlandes
sind zentrale Aussagen seiner tiefen Lyrik voller Symbole und Metaphern.
Herbst und Nacht bilden die Leitmotive seiner Dichtung. |
| Georg Trakl:
österr. Dichter (1887-1914);einer der bedeutendsten
Lyriker des Expressionismus |
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